Anleihekurs-Rechner
Anleihekurs berechnen: Nennwert, Nominalzinssatz, Effektivrendite und Restlaufzeit eingeben – Barwert von Kupons und Nennwert aufgeschlüsselt.
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Formel: `Kurs = C × (1 − (1+r)^(−N)) / r + F / (1+r)^N`, mit `C = F × Nominalzins / m` (Kupon pro Periode), `r = Effektivrendite / m` (Rendite pro Periode), `N = Laufzeit × m` (Gesamtperioden). Bei Effektivrendite = 0 vereinfacht sich der Kupon-Barwert zu `C × N`.
Was ist der Anleihekurs?
Der Kurs einer Anleihe ist der Gegenwartswert aller künftigen Zahlungsströme, abgezinst mit der aktuellen Marktrendite. Er ergibt sich, indem die einzelnen Kuponzahlungen und die Nominalrückzahlung getrennt auf den heutigen Tag diskontiert und anschließend addiert werden. Dieser Rechner führt die Abzinsung für Bundesanleihen, Unternehmensanleihen oder Eurobonds aus und schlüsselt auf, welcher Anteil des Kurses auf die Kupons und welcher auf den Nennwert entfällt.
Die Kursformel für festverzinsliche Anleihen
P=Barwert der KuponreiheC⋅r1−(1+r)−N+Barwert des Nennwerts(1+r)NF| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| F | Nennwert |
| c | Nominalzinssatz (p. a.) |
| y | Effektivrendite (p. a.) |
| m | Zinszahlungen pro Jahr |
| C = F × c / m | Kuponbetrag pro Periode |
| r = y / m | Rendite pro Periode |
| N = Restlaufzeit × m | Gesamtzahl der Perioden |
Rechenbeispiel: 10-jährige Bundesanleihe
Betrachten wir eine fiktive Bundesanleihe mit folgenden Eckdaten:
- Nennwert: 10.000 €
- Nominalzinssatz: 2,5 %
- Effektivrendite: 3,2 % (aktuelles Marktniveau)
- Restlaufzeit: 10 Jahre
- Zinszahlung: jährlich (m = 1)
Schritt 1 – Periodenwerte:
- Kupon pro Jahr: C = 10.000 € × 2,5 % / 1 = 250 €
- Rendite pro Periode: r = 3,2 % / 1 = 3,2 %
- Gesamtperioden: N = 10 × 1 = 10
Schritt 2 – Barwert der Kuponreihe:
Schritt 3 – Barwert des Nennwerts:
Schritt 4 – Anleihekurs:
Die Anleihe notiert mit einem Disagio von 591 € gegenüber dem Nennwert, weil die Effektivrendite (3,2 %) den Nominalzins (2,5 %) übersteigt. Ein Käufer, der 9.409 € zahlt und die Anleihe bis zur Fälligkeit hält, erzielt exakt 3,2 % Jahresrendite.
Agio und Disagio
Das Verhältnis von Nominalzins und Effektivrendite bestimmt, ob eine Anleihe über oder unter pari gehandelt wird.
| Verhältnis | Kurs | Bezeichnung |
|---|---|---|
| Nominalzins > Effektivrendite | über Nennwert | Agio |
| Nominalzins = Effektivrendite | = Nennwert | pari |
| Nominalzins < Effektivrendite | unter Nennwert | Disagio |
Der Mechanismus folgt aus dem festen Kupon: Eine Anleihe zahlt einen bei Emission festgelegten Kupon. Steigen die Marktzinsen danach, bieten neu begebene Anleihen höhere Kupons. Der ältere Titel wird vergleichsweise unattraktiv und muss günstiger angeboten werden, bis seine Gesamtrendite (Kupon + Kursgewinn bis zum Nennwert) dem Marktniveau entspricht. Sinken die Zinsen, ist der ältere Kupon vergleichsweise attraktiv, und der Kurs steigt über den Nennwert.
Nullkuponanleihen (Zero-Bonds)
Nullkuponanleihen zahlen keine laufenden Zinsen. Der gesamte Ertrag entsteht aus dem Unterschied zwischen dem unter-pari-Kaufkurs und dem bei Fälligkeit zurückgezahlten Nennwert. Die Kursformel vereinfacht sich zu:
Beispiel: Ein Zero-Bond mit 10.000 € Nennwert, 8 Jahren Restlaufzeit und 3,5 % Effektivrendite (jährliche Diskontierung):
Steuerlicher Hinweis für Deutschland: Bei Nullkuponanleihen unterliegt der gesamte Kursgewinn der Abgeltungsteuer (25 % zzgl. Solidaritätszuschlag). Im Gegensatz zu Kuponanleihen, bei denen die Zinserträge jährlich versteuert werden, fällt die Steuer erst bei Veräußerung oder Fälligkeit an. Bitte konsultieren Sie Ihren Steuerberater für Ihre konkrete Situation.
Duration und Zinssensitivität
Die modifizierte Duration (Modified Duration) misst, wie stark der Anleihekurs auf eine Zinsänderung von einem Prozentpunkt reagiert. Sie ist die zentrale Kennzahl im Zinsrisikomanagement. Langläufer reagieren stärker, weil mehr Zahlungsströme weit in der Zukunft liegen und eine Renditeänderung über viele Perioden hinweg auf den Barwert wirkt.
- 2-jährige Bundesschatzanweisung: Duration ≈ 1,9 Jahre → Kursrückgang ca. 1,9 % bei +1 % Zinsanstieg
- 10-jährige Bundesanleihe: Duration ≈ 8 Jahre → Kursrückgang ca. 8 % bei +1 % Zinsanstieg
- 30-jährige Bundesobligation: Duration > 15 Jahre → Kursrückgang > 15 % bei +1 % Zinsanstieg
- Zero-Bond: Duration = Restlaufzeit → maximale Zinssensitivität
Bei fallenden Marktzinsen verzeichnen Langläufer entsprechend überproportionale Kursgewinne; bei steigenden Zinsen – wie in der Straffungsphase der Europäischen Zentralbank (EZB) 2022/2023 – führt eine hohe Duration zu erheblichen Kursverlusten im Bestand.
Annahmen und Grenzen des Rechners
Der Rechner berechnet den Cleankurs (Kurs ohne aufgelaufene Stückzinsen). Der tatsächlich im Markt gehandelte Preis ist der Dirty-Kurs (Cleankurs + Stückzinsen seit dem letzten Kupontermin). Folgende Faktoren werden nicht berücksichtigt:
- Kreditrisiko: Anleihen von Emittenten mit schlechter Bonität bieten einen Spread über dem risikofreien Satz. Eine Bundesanleihe und eine Unternehmensanleihe gleicher Laufzeit haben denselben Cleankurs-Mechanismus, aber unterschiedliche Effektivrenditen.
- Eingebettete Optionen: Kündbare Anleihen (Callable Bonds) oder Anleihen mit Rückgaberecht (Puttable Bonds) erfordern Optionsbewertungsmodelle.
- Stückzinsen / Dirty Price: Bei Kauf zwischen zwei Kuponterminen muss der Käufer die aufgelaufenen Stückzinsen zusätzlich entrichten.
- Steuern und Transaktionskosten: Abgeltungsteuer, Börsenspesen und Depotgebühren reduzieren die tatsächliche Nachsteuerrendite.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie berechnet man den Kurs einer Anleihe?
Der Anleihekurs ist der Barwert aller künftigen Zahlungsströme, abgezinst mit der Effektivrendite. Er setzt sich zusammen aus dem Barwert der Kuponreihe (Rentenbarwertformel: C × (1 − (1+r)^(−N)) / r) und dem Barwert des Nennwerts (F / (1+r)^N). Dabei ist r = Effektivrendite / m die periodische Rendite, N = Laufzeit × m die Gesamtperiodenzahl und C = F × Nominalzins / m der Kupon pro Periode.
Warum steigt oder fällt der Anleihekurs, wenn die Zinsen sich ändern?
Anleihen werden mit einem festen Kupon emittiert. Steigt das Marktzinsniveau danach, sind neue Anleihen attraktiver – Inhaber älterer Papiere können sie nur zu einem Preis unter Nennwert verkaufen, der den Renditenachteil ausgleicht (Disagio).
Sinken die Marktzinsen, sind die Kupons älterer Anleihen vergleichsweise attraktiv, was den Kurs über den Nennwert treibt (Agio). Bei Übereinstimmung von Nominalzins und Effektivrendite notiert die Anleihe pari.
Was ist der Barwert einer Anleihe?
Der Barwert einer Anleihe ist der heutige Wert aller künftigen Zahlungsströme, abgezinst mit der geforderten Rendite. Er besteht aus dem Barwert der Kuponreihe (Rentenanteil) und dem Barwert der Nominalrückzahlung. Kauft ein Investor zum fairen Barwert und hält bis zur Fälligkeit, erzielt er genau die geforderte Effektivrendite.
Warum reagieren Langläufer stärker auf Zinsbewegungen als Kurzläufer?
Bei Anleihen mit langer Restlaufzeit liegen mehr Zahlungsströme weit in der Zukunft; eine kleine Zinsänderung wirkt sich über viele Perioden aus und verschiebt den Barwert erheblich. Dieses Zinsänderungsrisiko wird mit der Modified Duration gemessen.
Beispiel: Eine 10-jährige Bundesanleihe hat eine Duration von etwa 8 Jahren – steigt die Rendite um 100 Basispunkte, fällt ihr Kurs um rund 8 %. Eine 2-jährige Schatzanweisung verliert bei gleicher Bewegung nur etwa 1,9 %. Zero-Bonds haben die höchste Duration aller Anleihen gleicher Laufzeit.
Disclaimer
Dieser Rechner ermittelt den theoretischen Cleankurs (ohne Stückzinsen) unter Annahme einer flachen Zinskurve, ohne Ausfallrisiko und bei Abrechnung auf einen Kupontermin. Nicht berücksichtigt sind aufgelaufene Stückzinsen, eingebettete Optionen (z. B. Kündbarkeit), Kreditaufschläge, Steuern und Transaktionskosten.
Die Ergebnisse dienen ausschließlich der Information und stellen keine Anlageberatung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) dar. Bitte wenden Sie sich für individuelle Anlageentscheidungen an eine zugelassene Wertpapierdienstleistung.
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