Finanzkennzahlen-Rechner
Liquiditäts-, Verschuldungs-, Rentabilitäts- und Effizienzkennzahlen aus Bilanz und GuV berechnen — Liquiditätsgrade, Eigenkapitalquote, Gesamt- und Eigenkapitalrendite und mehr.
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Liquiditätskennzahlen — Kurzfristige Zahlungsfähigkeit
Verschuldungskennzahlen — Kapitalstruktur und Finanzierungsrisiko
Rentabilitätskennzahlen — Ertragskraft auf Vermögens- und Kapitalbasis
Effizienzkennzahlen — Umsatzgenerierung je Vermögenseinheit
Was sind Finanzkennzahlen?
Finanzkennzahlen sind Verhältniszahlen, die einzelne Positionen aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung zueinander ins Verhältnis setzen, um die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens vergleichbar zu machen. Anders als absolute Beträge erlauben sie den Vergleich zwischen Unternehmen unterschiedlicher Größe sowie zwischen verschiedenen Geschäftsjahren.
Die Kennzahlen lassen sich in vier Gruppen einteilen — Liquidität, Verschuldung, Rentabilität und Effizienz. Jede Gruppe beleuchtet einen anderen Aspekt: die kurzfristige Zahlungsfähigkeit, die Kapitalstruktur, die Ertragskraft und die Umsatzgenerierung je eingesetztem Kapital. Dieser Rechner ermittelt neun der wichtigsten Kennzahlen aus diesen vier Gruppen anhand von Werten, die sich direkt aus dem Jahresabschluss ablesen lassen.
Liquiditätskennzahlen
Liquiditätskennzahlen beantworten die Frage: Kann das Unternehmen seine kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen erfüllen?
Current Ratio (Liquidität 3. Grades)
Current Ratio=Kurzfristige VerbindlichkeitenUmlaufvermo¨genDie weitverbreitetste Liquiditätskennzahl. Ein Wert zwischen 1,5 und 3 gilt für die meisten Branchen als gesund. Unter 1 übersteigen die kurzfristigen Verbindlichkeiten das Umlaufvermögen — ein potenzielles Warnsignal. Über 3 kann auf unnötig gebundenes Kapital hinweisen. Lebensmittelhandel läuft typischerweise bei 1,2–1,5, Maschinenbau bei 2–2,5.
Quick Ratio (Liquidität 2. Grades)
Quick Ratio=Kurzfristige VerbindlichkeitenUmlaufvermo¨gen−Vorra¨teStrengerer Test ohne Vorräte, da diese nicht liquidierbar sind. Richtwert: über 1 gilt als sicher; unter 0,5 deutet auf erhöhtes Liquiditätsrisiko hin.
Rechenbeispiel: Ein mittelständischer Maschinenbauer weist folgende Zahlen aus: Umlaufvermögen 2,8 Mio. €, Vorräte 1,1 Mio. €, kurzfristige Verbindlichkeiten 1,4 Mio. €.
- Current Ratio = 2.800.000 ÷ 1.400.000 = 2,00 (gut)
- Quick Ratio = (2.800.000 − 1.100.000) ÷ 1.400.000 = 1,21 (sicher)
Die Differenz zwischen 2,00 und 1,21 spiegelt die hohen Vorräte wider. Bei stabiler Auftragslage kein Problem; bei schwankender Nachfrage sollte der Lagerumschlag im Blick behalten werden.
Verschuldungskennzahlen
Verschuldungsgrad (Debt-to-Equity)
Verschuldungsgrad=EigenkapitalGesamtverbindlichkeitenEin Wert unter 1 gilt als konservativ — das Unternehmen finanziert sich überwiegend eigenkapitalbasiert. Werte von 2–4 sind in kapitalintensiven Branchen (Energieversorger, Immobilien, Luftfahrt) üblich, weil stabile Cashflows höheren Fremdkapitaleinsatz rechtfertigen. Technologieunternehmen liegen oft unter 0,5.
Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote
Fremdkapitalquote=BilanzsummeGesamtverbindlichkeiten×100Eigenkapitalquote=BilanzsummeEigenkapital×100Bei ausgeglichener Bilanz (Bilanzsumme = Verbindlichkeiten + Eigenkapital) addieren sich beide Quoten zu genau 100 %. Eine Eigenkapitalquote von 30 % oder mehr gilt als solide; über 50 % als sehr stabil. Für viele Kreditinstitute ist die Eigenkapitalquote ein wichtiges Kriterium bei der Bonitätsprüfung.
Rentabilitätskennzahlen
Gesamtkapitalrendite (ROA)
ROA=BilanzsummeJahresu¨berschuss×100Die Gesamtkapitalrendite misst, wie effizient das gesamte eingesetzte Kapital — unabhängig von seiner Herkunft (Fremd- oder Eigenkapital) — Gewinn erwirtschaftet. Richtwert: über 5 % ist gut, über 10 % sehr gut. Kapitalintensive Branchen (Stahlindustrie, Energieversorger) erreichen strukturbedingt niedrigere Werte als kapitalleichte Branchen (Software, Beratung).
Eigenkapitalrendite (ROE)
ROE=EigenkapitalJahresu¨berschuss×100Die Eigenkapitalrendite misst die Rendite speziell aus Sicht der Eigenkapitalgeber. Große börsennotierte Konzerne erzielen im Schnitt 10–15 %; als Faustregel gilt, dass die Eigenkapitalrendite die Eigenkapitalkosten (Kapitalmarktrendite + Risikoprämie) übersteigen sollte. Ein hoher Fremdkapitalhebel kann die Eigenkapitalrendite rechnerisch anheben, ohne die operative Leistungsfähigkeit zu verbessern — sie ist daher stets gemeinsam mit der Gesamtkapitalrendite zu betrachten.
Nettomarge
Nettomarge=Umsatzerlo¨seJahresu¨berschuss×100Anteil des Nettoumsatzes, der nach allen Kosten und Steuern als Gewinn verbleibt. Typische Spannen: Lebensmitteleinzelhandel 1–3 %, Automobilzulieferer 3–5 %, Pharmaunternehmen 15–25 %, Softwareunternehmen (SaaS) > 20 %.
Effizienzkennzahlen
Kapitalumschlag
Kapitalumschlag=BilanzsummeUmsatzerlo¨seZeigt, wie viel Umsatz je eingesetztem Euro Bilanzsumme erzielt wird. Handelsunternehmen erreichen häufig 2–3; kapitalintensive Branchen wie Energieversorger oder Telekommunikation liegen oft unter 0,5.
Das DuPont-Schema verknüpft alle Kennzahlen: Gesamtkapitalrendite = Nettomarge × Kapitalumschlag. Liegt die Gesamtkapitalrendite eines Unternehmens unter dem Branchendurchschnitt, lässt sich anhand dieser Zerlegung erkennen, ob eine niedrige Marge oder ein geringer Kapitalumschlag die Ursache ist.
Einordnung und Grenzen
In der Praxis bilden diese Kennzahlen die Grundlage der Jahresabschlussanalyse, der Kreditwürdigkeitsprüfung durch Banken, des Investorenreportings und der Prüfungsvorbereitung. Aussagekräftig werden sie jedoch erst im Vergleich: gegen den Vorjahreswert desselben Unternehmens (Zeitvergleich) und gegen den Branchendurchschnitt (Betriebsvergleich). Eine isolierte Kennzahl ohne Bezugsgröße lässt nur begrenzte Schlüsse zu, da Richtwerte von Branche, Geschäftsmodell und Rechnungslegungsstandard abhängen.
Hinweis zur Berechnungsmethodik
Dieser Rechner verwendet Bilanzzahlen zum Jahresende. Für Gesamtkapitalrendite, Eigenkapitalrendite und Kapitalumschlag empfiehlt die Fachliteratur den Durchschnitt aus Jahresanfangs- und Jahresendwert als Nenner, um Veränderungen im Jahresverlauf besser abzubilden. Bei größeren Kapitalmaßnahmen (Kapitalerhöhung, Unternehmenskauf) kann die vereinfachte Methode zu Verzerrungen führen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist ein guter Wert für die Current Ratio?
Eine Current Ratio zwischen 1,5 und 3 gilt für die meisten Branchen als gesund. Unter 1 übersteigen kurzfristige Verbindlichkeiten das Umlaufvermögen — ein mögliches Zeichen für Liquiditätsprobleme. Über 3 kann auf zu viel gebundenes Kapital in Kasse oder Vorräten hinweisen. Branchenvergleiche sind wichtig: Im Lebensmitteleinzelhandel sind 1,2–1,5 üblich, im Maschinenbau eher 2–2,5.
Was ist der Unterschied zwischen Current Ratio und Quick Ratio?
Beide messen Liquidität, aber der Quick Ratio schließt Vorräte aus, da diese nicht liquidierbar sind. Liegt die Current Ratio deutlich über dem Quick Ratio, ist ein Großteil des Umlaufvermögens in Vorräten gebunden — bei langsamer Lagerumschlagrate kann das ein Risiko darstellen. Richtwert Quick Ratio: über 1 sicher, unter 0,5 kritisch.
Wie berechnet man den Verschuldungsgrad (Debt-to-Equity)?
Verschuldungsgrad = Gesamtverbindlichkeiten ÷ Eigenkapital. Beispiel: Ein Unternehmen mit 1,2 Mio. € Verbindlichkeiten und 800.000 € Eigenkapital hat einen Verschuldungsgrad von 1,5 — d. h. 1,50 € Fremdkapital je 1,00 € Eigenkapital. Werte unter 1 gelten als konservativ. Kapitalintensive Branchen wie Immobilien, Luftfahrt oder Energieversorger operieren häufig bei 2–4; Technologieunternehmen oft unter 0,5.
Was ist der Unterschied zwischen Gesamtkapitalrendite (ROA) und Eigenkapitalrendite (ROE)?
Die Gesamtkapitalrendite (Return on Assets, ROA) misst, wie effizient das gesamte Vermögen eingesetzt wird — unabhängig davon, ob es fremd- oder eigenfinanziert ist. Die Eigenkapitalrendite (Return on Equity, ROE) misst die Rendite speziell auf das Eigenkapital.
Eine höhere Verschuldung kann die Eigenkapitalrendite rechnerisch steigern, ohne dass sich die operative Effizienz verbessert. Liegt die Eigenkapitalrendite deutlich über der Gesamtkapitalrendite, weist das auf einen hohen Fremdkapitalhebel hin, der Chancen wie Risiken birgt. Große börsennotierte Konzerne erzielen häufig eine Eigenkapitalrendite von 10–15 %.
Disclaimer
Dieser Rechner verwendet Bilanzzahlen zum Jahresende. Für Gesamtkapitalrendite, Eigenkapitalrendite und Kapitalumschlag liefert der Durchschnitt aus Jahresanfangs- und Jahresendwert in der Regel genauere Ergebnisse. Finanzkennzahlen sind Richtwerte — sie ersetzen keine professionelle Unternehmensanalyse durch Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder Finanzberater.
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