Anleihenrendite-Rechner
Laufende Rendite und Rendite bis Fälligkeit (YTM) für Anleihen berechnen – Näherungsformel und numerisch exakter Wert auf einen Blick.
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Die YTM löst `P = Σ (C/m)/(1+r/m)^t + F/(1+r/m)^N` nach `r`. `P` = Kurs, `F` = Nennwert, `C` = Jahreskupon, `m` = Zahlungen/Jahr, `N` = Gesamtperioden. Näherung: `YTM ≈ (C + (F−P)/T) / ((F+P)/2)`.
Die Anleihe notiert unter pari (Kurs < Nennwert). Die YTM übersteigt den Kuponzins, da bei Fälligkeit der Kursdiscount zusätzlich vereinnahmt wird.
Anleihenrendite: Definition und Berechnungsgrundlage
Eine Anleihe ist ein festverzinsliches Wertpapier, bei dem der Emittent dem Käufer periodische Zinszahlungen (Kupons) sowie die Rückzahlung des Nennwerts bei Fälligkeit verspricht. Der Kurs einer Anleihe am Sekundärmarkt weicht in der Regel vom Nennwert ab, weil sich das allgemeine Zinsniveau seit der Emission verändert hat. Die Anleihenrendite quantifiziert die Jahresrendite, die der Kauf der Anleihe zum aktuellen Kurs erbringt.
Dafür existieren drei gebräuchliche Renditemaße, die unterschiedliche Aspekte abbilden.
Die drei Renditemaße im Überblick
| Maß | Formel | Aussage |
|---|---|---|
| Kuponzins | Jahreskupon ÷ Nennwert | Versprochene Verzinsung bei Emission |
| Laufende Rendite | Jahreskupon ÷ Kurs | Zinseinkommen zum aktuellen Kurs |
| Endfälligkeitsrendite (YTM) | Abzinsungssatz, der Barwert = Kurs ergibt | Gesamtrendite bis zur Fälligkeit |
Der Kuponzins ist unveränderlich — er steht auf der Anleiheurkunde und gilt für die gesamte Laufzeit. Laufende Rendite und YTM ändern sich täglich mit dem Marktkurs.
Laufende Rendite
Die laufende Rendite (Current Yield) ist das einfachste der drei Maße:
CY=KursJahreskuponSie misst das Zinseinkommen pro investiertem Euro. Eine Bundesanleihe mit 3 % Kupon (30 € bei 1.000 € Nennwert), die bei 960 € gehandelt wird, erzielt eine laufende Rendite von 30 / 960 ≈ 3,13 %. Der Kursgewinn von 40 €, den der Investor bei Fälligkeit realisiert, bleibt dabei unberücksichtigt.
Endfälligkeitsrendite (YTM)
Die Endfälligkeitsrendite (Yield to Maturity, YTM) erfasst sowohl die Kuponzahlungen als auch die Differenz zwischen Kaufkurs und Nennwert. Sie ist der Zinssatz , der die Bewertungsgleichung erfüllt:
P=t=1∑N(1+r/m)tC/m+(1+r/m)NFDabei gilt: = aktueller Kurs, = Nennwert, = Jahreskupon, = Kuponzahlungen pro Jahr, = Gesamtperioden. Eine algebraische Lösung nach existiert nicht — die Gleichung muss numerisch gelöst werden.
Näherungsformel
Für schnelle Überschlagsrechnungen eignet sich die geschlossene Näherungsformel:
YTMapprox=(F+P)/2C+(F−P)/TDer Zähler addiert den Jahreskupon und den über die Restlaufzeit verteilten Kursgewinn bzw. -verlust. Der Nenner steht für das durchschnittlich gebundene Kapital. Die Genauigkeit liegt typischerweise bei ±0,1–0,5 Prozentpunkten — ausreichend für Plausibilitätsprüfungen.
Exakte Lösung (Newton-Raphson)
Dieser Rechner liefert zusätzlich die numerisch exakte YTM. Ausgehend von der Näherung als Startwert verfeinert ein Newton-Raphson-Schritt das Ergebnis:
r1=r0−f′(r0)f(r0)Dabei ist der Bewertungsfehler und die Ableitung des Anleihepreises nach dem periodischen Zinssatz. Eine Iteration ab einem guten Startwert liefert ca. 8 Dezimalstellen Genauigkeit.
Rechenbeispiel: Diskontanleihe mit halbjährlichem Kupon
Ausgangsdaten: Nennwert 1.000 €, Kurs 950 €, Kuponzins 5 % (= 50 € pro Jahr), 10 Jahre Restlaufzeit, halbjährliche Zahlung.
Schritt 1 – Jahreskupon:
Schritt 2 – Laufende Rendite:
Schritt 3 – YTM-Näherung:
Schritt 4 – Exakte YTM (Newton-Raphson): ca. 5,66 % — der Abzinsungssatz, bei dem der Barwert von 20 halbjährlichen Zahlungen à 25 € zuzüglich 1.000 € Nennwert bei Fälligkeit genau 950 € ergibt.
Die YTM (5,66 %) übersteigt den Kuponzins (5 %), weil der Investor neben den Kupons bei Fälligkeit zusätzlich 50 € Kursgewinn (1.000 € − 950 €) realisiert.
Die inverse Preis-Rendite-Beziehung
Anleihekurse und -renditen bewegen sich stets in entgegengesetzte Richtungen. Da die Kuponzahlungen festgeschrieben sind, müssen bestehende Anleihen bei steigendem Marktzins im Kurs sinken, damit ihre Rendite mit neueren, höher verzinslichen Papieren mithalten kann. Umgekehrt steigen die Kurse bestehender Anleihen, wenn das Marktzinsniveau fällt.
Für Bundesanleihen bedeutet das: Ein Anstieg des Leitzinses der Europäischen Zentralbank lässt die Kurse bereits umlaufender Anleihen fallen und treibt ihre YTM nach oben.
Pari-, Diskont- und Premiumanleihen
| Situation | Kurs vs. Nennwert | YTM vs. Kuponzins |
|---|---|---|
| Pari-Anleihe | P = F | YTM = Kuponzins |
| Diskontanleihe | P < F | YTM > Kuponzins |
| Premiumanleihe | P > F | YTM < Kuponzins |
Diese Beziehungen gelten exakt, wenn Kupon und YTM dieselbe Verzinsungsfrequenz aufweisen, und näherungsweise in den übrigen Fällen.
Nullkuponanleihen
Eine Nullkuponanleihe zahlt keine periodischen Kupons — die gesamte Rendite entsteht aus dem Kursabschlag beim Kauf und der Nennwertrückzahlung bei Fälligkeit. Die Bewertungsgleichung vereinfacht sich zu:
P=(1+r/m)NF⟹mr=(PF)1/N−1Nullkuponanleihen reagieren besonders stark auf Zinsänderungen, weil sämtliche Zahlungsströme am Laufzeitende gebündelt sind (hohe Duration).
Annahmen und Grenzen der YTM
Die YTM beruht auf drei vereinfachenden Annahmen:
- Wiederanlage zum YTM-Satz. Alle Kupons werden zur gleichen Rendite wiederangelegt. Da die tatsächlichen Wiederanlagezinsen schwanken, weicht die realisierte Rendite in der Praxis ab.
- Haltedauer bis Fälligkeit. Bei vorzeitigem Verkauf bestimmt der erzielte Kurs — nicht der Nennwert — die tatsächliche Rendite.
- Kein Ausfall. Die YTM klammert Kreditrisiken aus. Die Differenz zwischen YTM und dem risikofreien Zinssatz (z. B. Bundesanleiherendite) spiegelt den Kreditaufschlag wider.
Darüber hinaus sind Kündigungsrechte (Callable Bonds) nicht berücksichtigt: Bei Anleihen mit Emittentenkündigungsrecht kann die Rendite bis zur ersten möglichen Kündigung (Yield to Call) relevanter sein als die YTM.
Rentenrechner – Entnahme aus Einmalanlage und Barwertrechner ergänzen diesen Rechner, wenn die zugrundeliegenden Zahlungsströme separat bewertet werden sollen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist die Rendite bis zur Fälligkeit (Yield to Maturity)?
Die Rendite bis zur Fälligkeit (YTM) ist die jährliche Gesamtrendite, die ein Investor erzielt, wenn er eine Anleihe zum aktuellen Kurs kauft und bis zur Fälligkeit hält – unter der Annahme, dass alle Kupons zur selben Rendite wiederangelegt werden.
Sie entspricht dem Zinssatz, bei dem der Barwert aller zukünftigen Zahlungen dem aktuellen Kurs entspricht. Die YTM ist das Standardmaß, um Anleihen mit unterschiedlichen Kursen, Kuponzinsen und Laufzeiten miteinander zu vergleichen.
Was ist der Unterschied zwischen laufender Rendite und Endfälligkeitsrendite?
Die laufende Rendite (Jahreskupon ÷ Kurs) misst nur den Zinsertrag und ignoriert den Kursgewinn oder -verlust bei Fälligkeit. Die YTM erfasst beides. Beispiel: Eine 3 %-Anleihe bei Kurs 95 % hat eine laufende Rendite von ca. 3,16 % – die YTM ist höher, weil der Investor bei Fälligkeit zusätzlich 5 % Kursgewinn realisiert.
Warum steigen Anleihekurse, wenn die Zinsen fallen?
Die Kuponzahlungen einer Anleihe sind fix. Steigt das Marktzinsniveau, bieten neue Anleihen höhere Kupons – bestehende Anleihen werden weniger attraktiv und ihr Kurs fällt. Umgekehrt: Sinken die Zinsen, steigen die Kurse bestehender Anleihen. Diese inverse Beziehung erklärt, warum Anleihefonds bei steigenden Zinsen an Wert verlieren.
Wie wird die Rendite bis Fälligkeit berechnet?
Die Bewertungsgleichung lässt sich algebraisch nicht nach r auflösen und muss numerisch gelöst werden. Dieser Rechner verwendet zunächst die Näherungsformel als Startwert, dann eine Newton-Raphson-Iteration zur Verfeinerung – eine Iteration genügt für ca. 8 Dezimalstellen Genauigkeit.
Disclaimer
Dieser Rechner setzt eine konstante Nominalverzinsung und Haltedauer bis zur Endfälligkeit voraus. Steuern, Transaktionskosten, Stückzinsen, Kündigungsrechte und Bonitätsrisiken werden nicht berücksichtigt. Die Ergebnisse dienen ausschließlich zur Information und stellen keine Anlageberatung im Sinne des WpHG dar.
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