Geldmultiplikator-Rechner
Geldmultiplikator und Kreditschöpfung im Teilreservebanksystem berechnen. Zeigt Geldmenge, neue Kredite und Mindestreservepflicht aus Einlage und Reservesatz.
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Dieses Modell setzt voraus, dass kein Bargeld abfließt und Banken alle überschüssigen Reserven verleihen. Tatsächliche Geldmultiplikatoren sind niedriger, da Banken Überschussreserven halten und die Öffentlichkeit einen Teil des Geldes als Bargeld aufbewahrt.
Geldmultiplikator — Definition und Funktionsweise
Der Geldmultiplikator ist das Verhältnis, um das sich das gesamte Einlagenvolumen eines Bankensystems gegenüber einer einzelnen neuen Einlage erhöht. Er beschreibt, wie das Teilreservebanksystem aus einem Anfangsbetrag an Zentralbankgeld ein Vielfaches an Buchgeld erzeugt.
Das Grundprinzip: Jede Bank darf den Teil einer Einlage verleihen, der über die Mindestreservepflicht hinausgeht. Der verliehene Betrag wird beim Empfänger ausgegeben und landet als neue Einlage bei einer anderen Bank — die wiederum verleiht, was sie nicht als Reserve halten muss. Diese Kette multipliziert die ursprüngliche Einlage.
Die Formel des Geldmultiplikators
Mit dem Mindestreservesatz ergibt sich der Geldmultiplikator :
Aus einer Anfangseinlage entsteht folgendes Gesamteinlagenvolumen :
Die neu geschöpften Kredite (das tatsächlich neu entstandene Geld):
Die gesamten Pflichtreserven über alle Banken hinweg:
Die letzte Gleichung ist bemerkenswert: Nach Abschluss des Multiplikationsprozesses entsprechen die gesamten Pflichtreserven stets der ursprünglichen Einlage.
Rechenbeispiel: 8.000 € Einlage bei 12,5 % Reservesatz
Eine Unternehmerin legt 8.000 € bei ihrer Hausbank an, und der Reservesatz beträgt 12,5 %.
Geldmultiplikator:
Gesamte Geldschöpfung: €
Neu geschöpfte Kredite: €
Pflichtreserven gesamt: € (entspricht der Anfangseinlage)
Aus 8.000 € werden im Bankensystem also 64.000 € an Gesamteinlagen — 56.000 € davon sind neu geschöpfte Kredite, die ohne die ursprüngliche Einlage nicht existiert hätten.
Die Kreditschöpfungskette im Detail
Reservesatz 10 %, Anfangseinlage 10.000 €:
| Runde | Neue Einlage | Neuer Kredit | Neue Reserve |
|---|---|---|---|
| 1 | 10.000 € | 9.000 € | 1.000 € |
| 2 | 9.000 € | 8.100 € | 900 € |
| 3 | 8.100 € | 7.290 € | 810 € |
| 4 | 7.290 € | 6.561 € | 729 € |
| ⋮ | ⋮ | ⋮ | ⋮ |
| Summe | 100.000 € | 90.000 € | 10.000 € |
Jede Runde schrumpft um den Faktor . Die geometrische Reihe konvergiert zu .
Mindestreserve in der Eurozone und EZB-Geldpolitik
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt den Mindestreservesatz für Kreditinstitute im Euroraum. Seit Januar 2012 beträgt er 1 %, seit Juli 2012 war er bis 2022 bei 1 % gedeckelt. Trotz des niedrigen Reservesatzes wuchs die Geldmenge M3 nach der Finanzkrise 2008–2012 und während der Corona-Pandemie deutlich langsamer als der Geldmultiplikator theoretisch erwarten ließe — aus zwei Gründen:
Überschussreserven: Die EZB kaufte im Rahmen des APP (Asset Purchase Programme) und des PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) billionenschwere Anleihen auf. Das dabei entstehende Zentralbankgeld floss überwiegend in Überschussreserven, die Banken auf ihren EZB-Konten parkten — statt als Kredit in die Realwirtschaft.
Einlagenfazilität mit Negativzinsen: Von 2014 bis 2022 erhob die EZB Negativzinsen auf Überschussreserven, um Banken zur Kreditvergabe zu bewegen. Dies senkte den Anreiz, Reserven zu horten, konnte das strukturelle Problem geringer Kreditnachfrage aber nicht vollständig kompensieren.
Geldmultiplikator vs. Fiskalmultiplikator
Der Keynesianischer Multiplikator-Rechner berechnet, um wie viel das BIP steigt, wenn der Staat seine Ausgaben erhöht. Der Geldmultiplikator zeigt dagegen, wie eine Reserveausweitung die Geldmenge vergrößert. Beide beruhen auf einer geometrischen Reihe mit einem Leckageterm — die Leckage heißt beim Fiskalmultiplikator „Sparquote“, beim Geldmultiplikator „Reservesatz“.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Geldmultiplikator?
Der Geldmultiplikator (m = 1 / Reservesatz) gibt an, wie viel Einlagenvolumen das Bankensystem aus einem einzelnen Euro an Zentralbankreserven erzeugen kann.
Bei einem Reservesatz von 10 % erzeugt eine Anfangseinlage von 10.000 € letztlich 100.000 € an Gesamteinlagen: Bank A behält 1.000 € und verleiht 9.000 €; Bank B erhält diese 9.000 €, behält 900 € und verleiht 8.100 € — und so weiter. Jede Runde zahlt den verliehenen Betrag erneut ein, was eine geometrische Reihe ergibt: 10.000 × (1 / 0,10) = 100.000 €.
Wie entsteht Geld durch das Teilreservebanksystem?
Im Teilreservebanksystem entsteht Geld, weil eine Bank den Teil einer Einlage verleihen darf, den sie nicht als Pflichtreserve halten muss. Verleiht Bank A 9.000 € aus einer Einlage von 10.000 €, wird dieser Betrag ausgegeben und erscheint als neue Einlage bei Bank B.
Bank B verleiht 8.100 €, die bei Bank C eingelegt werden — und so weiter. Jeder Kredit schafft gleichzeitig eine neue Einlage, sodass die Gesamteinlagen im System mit jeder Runde wachsen. Es wird kein Geld gedruckt; es entsteht eine Kette wechselseitiger Versprechen (Einlagen und Kredite), die zusammen die Geldmenge über die ursprüngliche Bargeldeinlage hinaus ausdehnen.
Wie berechnet man die Kreditschöpfung?
Ausgehend von einer Anfangseinlage D und einem Reservesatz r gilt: Geldmultiplikator m = 1 / r; Gesamte Geldmenge M = D × m; Neu geschöpfte Kredite L = M − D = D × (m − 1); Gesamte Pflichtreserven R = M × r = D. R entspricht stets D — nach Abschluss des Multiplikationszyklus sind alle ursprünglichen Einlagen als Reserven gehalten. Beispiel mit D = 5.000 € und r = 20 %: m = 5, M = 25.000 €, L = 20.000 €, R = 5.000 €.
Warum ist der tatsächliche Geldmultiplikator kleiner als der theoretische?
Die Lehrbuchformel m = 1 / r setzt zweierlei voraus, was in der Praxis selten gilt: (1) Banken verleihen jeden Euro überschüssiger Reserven, und (2) alle erhaltenen Barbeträge werden vollständig wieder eingezahlt.
Tatsächlich halten Banken Überschussreserven für das Liquiditätsmanagement oder weil die Kreditnachfrage gering ist. Seit 2014 führte die EZB Negativzinsen auf Überschussreserven ein, um Banken zur Kreditvergabe zu bewegen. Haushalte und Unternehmen halten zudem einen Teil ihres Geldes als Bargeld. Beides verkürzt die Einlagenkette und senkt den effektiven Multiplikator.
Disclaimer
Dieser Rechner bildet das vereinfachte Geldmultiplikatormodell aus der Einführungsveranstaltung Makroökonomik ab. Überschussreserven, Bargeldabfluss, geldpolitische Operationen der Zentralbank sowie Kreditmarktbedingungen werden nicht berücksichtigt.
Die tatsächliche Geldschöpfung ist komplexer und hängt von Geldpolitik, Kreditvergabestandards der Banken und makroökonomischen Rahmenbedingungen ab. Die Ergebnisse dienen ausschließlich der Veranschaulichung und stellen keine Finanz- oder Anlageberatung dar.
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