Wells-Score für tiefe Venenthrombose
Eingaben
| Aktive Krebserkrankung | Nein |
|---|---|
| Lähmung, Parese oder kürzliche Ruhigstellung des Beins | Nein |
| Kürzliche Bettlägerigkeit oder größere Operation | Nein |
| Lokalisierter Druckschmerz | Nein |
| Schwellung des gesamten Beins | Nein |
| Wadenumfang >3 cm größer | Nein |
| Eindrückbares Ödem (betroffenes Bein) | Nein |
| Oberflächliche Kollateralvenen | Nein |
| Frühere dokumentierte TVT | Nein |
| Alternativdiagnose mindestens ebenso wahrscheinlich | Nein |
Wells-Score für tiefe Venenthrombose
Die klinische Vortestwahrscheinlichkeit einer tiefen Venenthrombose (TVT) mit dem modifizierten zweistufigen Wells-Score abschätzen und ablesen, ob ein D-Dimer-Test oder eine Beinvenen-Sonographie der nächste Schritt ist.
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Ein Wert von 1 oder weniger ordnet den Befund der Gruppe „TVT unwahrscheinlich" zu, mit einer TVT-Wahrscheinlichkeit von rund 6 %. Üblicher nächster Schritt ist ein D-Dimer-Test — nur ein negatives D-Dimer schließt eine TVT praktisch aus. Dies ist eine allgemeine Information, keine Behandlungsempfehlung.
Wells-Score für tiefe Venenthrombose
Eine tiefe Venenthrombose (TVT) ist ein Blutgerinnsel in einer der tiefen Venen, meist im Bein. Sie ist deshalb bedeutsam, weil sich ein Teil des Gerinnsels lösen und in die Lunge wandern kann, was zu einer Lungenembolie führt. Das Problem: Beinschmerzen und Schwellungen sind häufig und haben viele Ursachen, sodass vor der Anordnung von Tests eine strukturierte Einschätzung nötig ist, wie wahrscheinlich ein Gerinnsel tatsächlich ist. Der Wells-Score überführt zehn klinische Befunde in eine einzige Zahl, die Patientinnen und Patienten der Gruppe „TVT wahrscheinlich" oder „TVT unwahrscheinlich" zuordnet und auf den richtigen nächsten Test verweist.
Warum die Vortestwahrscheinlichkeit zählt
Kein einzelner Test ist für sich genommen perfekt. Ein D-Dimer-Bluttest eignet sich sehr gut zum Ausschluss eines Gerinnsels, wenn er negativ ausfällt, ist aber oft aus unabhängigen Gründen positiv, sodass ein positives Ergebnis wenig beweist. Eine Sonographie ist genau, bindet jedoch Gerätezeit und Personal. Erst die Kombination einer Wahrscheinlichkeitsschätzung mit dem passenden Test macht den Ablauf sicher und zugleich effizient: Bei niedriger Wahrscheinlichkeit lässt sich häufig schon mit einem einfachen Bluttest Entwarnung geben, während bei höherer Wahrscheinlichkeit direkt die Bildgebung folgt.
Aufbau des Wells-Scores
Der Score addiert für neun klinische Kriterien je einen Punkt und zieht für ein Kriterium zwei Punkte ab:
| Kriterium | Punkte |
|---|---|
| Aktive Krebserkrankung (Behandlung laufend, innerhalb 6 Monaten oder palliativ) | +1 |
| Lähmung, Parese oder kürzliche Ruhigstellung des Beins im Gipsverband | +1 |
| Bettlägerigkeit ≥3 Tage oder größere Operation innerhalb von 12 Wochen | +1 |
| Lokalisierter Druckschmerz entlang des tiefen Venensystems | +1 |
| Schwellung des gesamten Beins | +1 |
| Wadenumfang >3 cm größer als auf der beschwerdefreien Seite | +1 |
| Eindrückbares Ödem, auf das betroffene Bein beschränkt | +1 |
| Oberflächliche Kollateralvenen ohne Varikose | +1 |
| Frühere dokumentierte TVT | +1 |
| Alternativdiagnose mindestens ebenso wahrscheinlich wie eine TVT | −2 |
Die Summe reicht von −2 bis +9:
W=∑(vorhandene Kriterien)−2×(Alternativdiagnose)So ergibt ein vollständig geschwollenes Bein (+1) mit lokalisiertem Druckschmerz (+1) einen Wert von 2. Hält die untersuchende Person ein Erysipel für mindestens ebenso wahrscheinlich (−2), fällt dieselbe Patientin auf einen Wert von 0 zurück.
Das Ergebnis lesen: der zweistufige Weg
Das heutige, modifizierte Wells-Modell nutzt zwei Stufen, von denen jede auf einen bestimmten nächsten Schritt verweist:
- Wert ≥ 2 — TVT wahrscheinlich (rund 28 % TVT-Wahrscheinlichkeit). Weiter mit einer Kompressionssonographie der proximalen Beinvenen.
- Wert < 2 — TVT unwahrscheinlich (rund 6 %). Weiter mit einem D-Dimer-Test. Ein negatives D-Dimer schließt eine TVT praktisch aus; ein positives führt zur Sonographie.
Diese zweistufige Aufteilung, von Wells et al. (2003) validiert und in der NICE-Leitlinie NG158 übernommen, ist die in der Praxis meistverbreitete Fassung, weil die Stufen direkt mit der nächsten Entscheidung zusammenfallen.
Das ältere dreistufige Modell
Der ursprüngliche Wells-Score von 1997 hatte neun Kriterien (das Kriterium „frühere dokumentierte TVT" fehlte noch) und gab drei Stufen an:
- ≤0 Punkte — niedrige Wahrscheinlichkeit (~5 %)
- 1–2 Punkte — mittlere Wahrscheinlichkeit (~17 %)
- ≥3 Punkte — hohe Wahrscheinlichkeit (~53 %)
Die Modifikation von 2003 ergänzte das Kriterium der früheren TVT und fasste das Ergebnis zur Aufteilung wahrscheinlich/unwahrscheinlich zusammen. Das dreistufige Modell taucht in älteren Materialien noch auf, doch die zweistufige Fassung ist der heutige Standard, weil sie zu einem Test führt, statt das Risiko nur zu benennen.
Was der Score leistet und was nicht
Der Wells-Score schätzt die Wahrscheinlichkeit zur Steuerung der Testwahl — er diagnostiziert oder schließt ein Gerinnsel nicht selbst aus. Die Diagnose einer TVT erfordert eine Bildgebung, und der Ausschluss in der Gruppe „unwahrscheinlich" ein negatives D-Dimer. Die obigen Prozentwerte sind Populationsschätzungen aus den Validierungskohorten, keine Vorhersage für eine einzelne Person.
Der Score ist für erwachsene ambulante Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine erste TVT der unteren Extremität validiert. Er ist nicht validiert in der Schwangerschaft, bei intravenösem Drogenkonsum, beim Verdacht auf eine erneute TVT im selben Bein oder bei einer TVT der oberen Extremität; diese Situationen folgen anderen Vorgehensweisen. Jede Entscheidung über D-Dimer-Test, Bildgebung oder Antikoagulation sollte durch qualifiziertes ärztliches Personal getroffen werden.
Verwandte klinische Werkzeuge sind der QTc-Rechner (frequenzkorrigierte QT-Zeit) und die Blutdruckklassifikation.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet ein Wells-Score „TVT wahrscheinlich"?
Eine Summe von 2 Punkten oder mehr gilt als „TVT wahrscheinlich". Diese Gruppe hat eine TVT-Wahrscheinlichkeit von rund 28 % und wird in der Regel direkt zur Kompressionssonographie der proximalen Beinvenen überwiesen, statt zunächst einen Bluttest durchzuführen. Beispiel: ein vollständig geschwollenes Bein (1) zusammen mit lokalisiertem Druckschmerz (1) ergibt einen Wert von 2.
Was bedeutet ein niedriger oder „unwahrscheinlicher" Wells-Score?
Ein Wert von 1 oder weniger gilt als „TVT unwahrscheinlich", mit einer TVT-Wahrscheinlichkeit von etwa 6 %. Der Score allein schließt ein Gerinnsel nicht aus. In dieser Gruppe folgt als Nächstes ein D-Dimer-Bluttest, und nur ein negatives D-Dimer schließt eine TVT praktisch aus. Ein positives D-Dimer führt weiterhin zur Sonographie.
Worin unterscheiden sich der zweistufige und der dreistufige Wells-Score?
Der ursprüngliche Wells-Score von 1997 hatte neun Kriterien und drei Stufen — niedrige (≤0), mittlere (1–2) und hohe (≥3) Wahrscheinlichkeit. Der modifizierte Score von 2003 ergänzte das Kriterium „frühere dokumentierte TVT" und fasste das Ergebnis zu zwei Stufen zusammen: wahrscheinlich (≥2) und unwahrscheinlich (≤1).
Die zweistufige Fassung ist heute Standard, weil jede Stufe direkt auf den nächsten Test verweist: Sonographie bei „wahrscheinlich", D-Dimer bei „unwahrscheinlich".
Warum zieht das Kriterium der Alternativdiagnose Punkte ab?
Wenn eine andere Erklärung für die Beinbeschwerden — etwa ein Erysipel, eine Baker-Zyste oder eine Muskelzerrung — mindestens ebenso wahrscheinlich ist wie eine TVT, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerden tatsächlich von einem Gerinnsel stammen. Um das abzubilden, entfernt das Kriterium 2 Punkte, wodurch die Summe unter die Schwelle „wahrscheinlich" fallen kann und der Weg zum D-Dimer-Test statt direkt zur Sonographie führt.
Kann der Wells-Score eine TVT allein diagnostizieren oder ausschließen?
Nein. Der Wells-Score schätzt nur die Vortestwahrscheinlichkeit ab, um zu entscheiden, welcher Test als Nächstes folgt — ein D-Dimer oder eine Sonographie. Die Diagnose einer TVT erfordert eine Bildgebung (in der Regel Sonographie), und der Ausschluss erfordert ein negatives D-Dimer in der Gruppe „unwahrscheinlich". Der Score ist ein Triage-Instrument, keine endgültige Antwort.
Gilt der Wells-Score während der Schwangerschaft?
Nein. Der Wells-TVT-Score ist in der Schwangerschaft nicht validiert; hier kommen eigene Vorgehensweisen (etwa die LEFt-Regel und die Sonographie) zum Einsatz. Er gilt auch nicht für den Verdacht auf eine erneute TVT im selben Bein, für eine TVT der oberen Extremität oder für intravenösen Drogenkonsum — diese Situationen erfordern eine andere Beurteilung.
Haftungsausschluss
Dieser Rechner dient der Information und allgemeinen Orientierung; er schätzt die Vortestwahrscheinlichkeit und stellt keine Diagnose. Der Wells-Score gibt vor, ob ein D-Dimer-Test oder eine Sonographie nötig ist — eine TVT lässt sich damit allein weder diagnostizieren noch ausschließen.
Er ist für erwachsene ambulante Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine erste TVT der unteren Extremität validiert, nicht jedoch für die Schwangerschaft, für intravenösen Drogenkonsum, für den Verdacht auf eine erneute TVT im selben Bein oder für eine TVT der oberen Extremität. Entscheidungen über Labortests, Bildgebung und Antikoagulation müssen durch qualifiziertes ärztliches Personal getroffen werden.